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Das Projekt

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt "Digitalisierung der Jiddischen Drucke" dient der Sicherung der Sammlung Jiddische Drucke und ihrer Bereitstellung für die überregionale wissenschaftliche Nutzung. Viele der einzelnen Werke sind in der Regel in Deutschland kaum zu finden und besitzen Seltenheitswert. Die Sammlung selbst ist gerade durch ihre Vollständigkeit für die Forschung außerordentlich wichtig.
Die Sammlung besteht aus ca. 800 äußerst wertvollen jiddischen und deutsch-jüdischen Büchern, die zum Altbestand der Frankfurter Universitätsbibliothek gehören. In der Sammlung befinden sich neben einer beachtlichen Zahl von Rara auch einige Unikate an jiddischen Büchern. Das älteste Buch dieser Sammlung stammt aus dem Jahr 1560 aus Cremona, gefolgt von einem Druck aus Basel von 1583. Die Bücher, die im 17. und 18. Jahrhundert erschienen sind, stammen vor allem aus dem fränkischen (Fürth, Wilhermsdorf) und schlesischen Raum (Dyhernfurt) sowie aus Orten im Rhein-Main-Gebiet (Offenbach, Frankfurt, Sulzbach). Früh tauchen Prag (1604) und Amsterdam (1615) als jiddische Druckorte auf, während im 19. Jahrhundert vor allem Warschau, Wilna und andere osteuropäische Zentren jüdischen Lebens in den Vordergrund treten. In den Büchern kommen die verschiedenen Dialekte der jiddischen Sprache zum Ausdruck und die Wandlung der Sprache durch ihre Anpassung an die Umgebung. In den Büchern aus dem deutschsprachigen Raum sind sehr viele deutsche Ausdrücke und teilweise lange Textpassagen in deutscher Sprache in hebräischen Lettern enthalten. Dagegen setzt sich das Jiddisch, das in den osteuropäischen Schtetl im 19. Jahrhunderts gesprochen und geschrieben wurde, aus ganz anderen Sprachelementen und unterschiedlichen grammatikalischen Regeln zusammen.
Inhaltlich besteht die Sammlung zum großen Teil aus Alltags- und Gebrauchsliteratur für Frauen. Hierzu gehören die zahlreichen sogenannten Weiberbibeln, die Zene-Rene-Literatur, in denen die biblischen Erzählungen für Frauen auf jiddisch zusammengefasst sind, ebenso wie Frauengebetbücher und praktische Ratgeber zur Ausübung der religiösen Gebote. Arzneibücher, medizinische Ratgeber und pädagogische Leitfäden insbesondere zur Erziehung der Mädchen gehören ebenso zur Sammlung wie Legenden und Chroniken, Reiseberichte, Theaterstücke sowie jiddische Versionen weltliterarischer Erzählstoffe und spätmittelalterlicher Volksbücher, so z.B. das Märchen "Tausend und Eine Nacht" und der "Fortunatus" in einer jiddischen Version. Eine ganze Reihe historischer Darstellungen, die vor der Französischen Revolution und vor der Emanzipation gedruckt wurden, vermitteln einen Eindruck aus dem Alltagsleben innerhalb der traditionellen jüdischen Gemeinden. Bei den Drucken aus dem 19. Jahrhunderts handelt es sich vorwiegend um nationaljüdische Belletristik der berühmten osteuropäischen jiddischen Schriftsteller wie z.b. Isaak Leib Perez, Scholem Alejchem und Schalom Asch.
Im Sinne der Langzeitsicherung wurden an die 200.000 Seiten auf Spezialfilme professionell verfilmt, dann gescannt und auf CD-ROMs übertragen, die wiederum in eine Datenbank eingespeist wurden. Die einzelnen Bücher unterscheiden sich hinsichtlich des Erhaltungszustandes, der Seitenzahl, des Druckspiegels und der Schriftgröße und -art erheblich und können aufgrund der Verwendung hebräischer Lettern nur als images erfaßt und verwaltet werden. In der vorliegenden Datenbank sind die Inhalte gut lesbar, in Einzelfällen sogar besser als im Original, und können vom Benutzer bearbeitet und ausgedruckt werden. Die Serverlösung ist so konzipiert, dass auch andere Bibliotheken, die historische jiddische Drucke oder wissenschaftliche Editionen besitzen, ihr digitalisiertes Material nach und nach in den Server einbringen bzw. bei eigener Datenhaltung über seine Oberfläche verfügbar machen können.